KNX oder Loxone: Was passt zum Neubau?

KNX und Loxone im Vergleich: Prinzip, Verkabelung, Programmierung und für welche Häuser sich welches System eignet. Mit Fragen für Ihre Entscheidung.

Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch. Beide Systeme sind ausgereift, beide steuern Licht, Beschattung, Heizung und Energie zuverlässig. Sie unterscheiden sich aber im Prinzip, und das hat Folgen für Planung, Installation und die Jahre danach.

Wir planen und programmieren beides und sind an keinen Hersteller gebunden. Hier steht, worauf es bei der Entscheidung ankommt.

Das Prinzip

KNX ist ein offener Standard. Hunderte Hersteller bauen Geräte dafür, die sich frei kombinieren lassen: Taster von einem Hersteller, Aktoren vom zweiten, Präsenzmelder vom dritten. Die Intelligenz ist verteilt, jedes Gerät weiß selbst, was es zu tun hat. Fällt ein Gerät aus, läuft der Rest weiter.

Loxone ist ein System eines einzelnen Herstellers. Im Mittelpunkt steht der Miniserver, auf dem die gesamte Logik läuft. Geräte von Loxone sind darauf abgestimmt, Fremdgeräte kommen über Schnittstellen dazu.

Verkabelung und Installation

Bei KNX läuft eine grüne Busleitung zu allen Tastern, Meldern und Sensoren, die Aktoren sitzen im Verteiler. Die Verkabelung ist klar strukturiert und jedem KNX-Fachbetrieb vertraut.

Loxone nutzt für viele Geräte das eigene Tree-Kabel, dazu kommen Funkkomponenten (Loxone Air). Funk ist bei Sanierungen praktisch, wenn sich nicht überall Leitungen ziehen lassen.

Für Ihren Elektrobetrieb heißt das: Er sollte mit dem gewählten System arbeiten wollen. Bei KNX ist die Auswahl an Betrieben in der Regel größer.

Programmierung und Zukunft

KNX wird mit der ETS programmiert, einer kostenpflichtigen Software der KNX Association. Die Projektdatei gehört am Ende dem Betreiber, und jeder KNX-Fachbetrieb kann damit arbeiten. Wer in 15 Jahren etwas ändern will, findet dafür sehr wahrscheinlich jemanden.

Loxone wird mit Loxone Config programmiert, die Software ist kostenlos. Viele Funktionen wie Beschattung nach Sonnenstand, Heizungsregelung oder Alarmanlage sind als fertige Bausteine dabei, dadurch ist eine Anlage oft schnell eingerichtet. Die Weiterentwicklung hängt dafür an einem Hersteller.

Bedienung

Bei Loxone sind App und Fernzugriff von Haus aus dabei. Bei KNX kommt dafür ein Server wie der Gira X1 dazu, der Visualisierung, App und Logik übernimmt. Beide Wege führen zu einer guten Bedienung, sie sind nur anders aufgebaut.

Für welche Häuser passt was?

KNX passt gut, wenn

  • Sie langfristig unabhängig von einem Hersteller bleiben möchten,
  • Sie Wert auf eine große Auswahl an Schaltern und Designs legen,
  • mehrere Fachbetriebe die Anlage über die Jahre betreuen sollen,
  • ein größeres Haus oder ein Gewerbeobjekt geplant ist.

Loxone passt gut, wenn

  • Energie, Heizung und Licht zentral zusammenspielen sollen,
  • Sie viel Logik ohne zusätzliche Server möchten,
  • in einer Sanierung Funk nötig ist,
  • Ihr Elektrobetrieb Loxone bereits kennt.

Oft ist auch eine Kombination sinnvoll: KNX für die Grundinstallation, Loxone für Logik und App.

Fragen für Ihre Entscheidung

  1. Wer soll die Anlage in zehn Jahren betreuen, und mit welchem System arbeitet dieser Betrieb?
  2. Wie wichtig ist Ihnen die Auswahl bei Schaltern und Bedienelementen?
  3. Spielen PV, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox eine große Rolle?
  4. Wird neu gebaut oder saniert, und lassen sich überall Leitungen verlegen?

Mit den Antworten lässt sich die Entscheidung meist schnell treffen. Den direkten Vergleich in Tabellenform finden Sie auf unserer Seite zu KNX, mehr zu Loxone auf der eigenen Seite. Wenn Sie unsicher sind, klären wir die Systemfrage in der Smart-Home-Planung, bevor die Elektroplanung beginnt.

Christian Gebhardt plant und programmiert bei SH2 SmartHome Solutions in Solnhofen KNX- und Loxone-Anlagen für Bauherren und Elektrobetriebe. Mehr über uns.

Veröffentlicht am

Häufige Fragen

Ist KNX besser als Loxone?

Keins der beiden Systeme ist grundsätzlich besser. KNX ist ein offener Standard mit vielen Herstellern, Loxone ein geschlossenes System eines Herstellers mit viel fertiger Logik. Welches passt, hängt von Ihren Anforderungen, Ihrem Elektrobetrieb und davon ab, wie lange und von wem die Anlage betreut werden soll.

Kann man KNX und Loxone kombinieren?

Ja. Der Loxone Miniserver kann über eine KNX-Schnittstelle mit einer KNX-Anlage sprechen. Das nutzen wir zum Beispiel, wenn KNX die Grundinstallation bildet und Loxone für Logik und App dazukommt.

Welches System ist günstiger?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt davon ab, wie viele Räume und Funktionen geplant sind und welche Geräte zum Einsatz kommen. Mit einer Planung samt Stückliste lassen sich beide Varianten auf derselben Grundlage vergleichen.

Muss ich mich vor dem Rohbau entscheiden?

Die Systementscheidung sollte vor der Elektroplanung fallen, weil KNX und Loxone unterschiedlich verkabelt werden. Spätestens bevor die Leitungen verlegt werden.

Projekt besprechen?

Erzählen Sie uns in zwei Minuten, worum es geht. Wir melden uns innerhalb von zwei Werktagen.